„Jetzt will dieser großkotzige Grasfresser auch noch Geld mit seinem klugscheißerischem Gelaber verdienen, na das passt ja gut zusammen!“ Ja, als Großmaul, Grasfresser, Superheld und Weltverbesserer hat man es manchmal nicht leicht. Gerade als Veganer wirst Du ganz besonders kritisch von Deinen Mitmenschen beäugt und oft habe ich das Gefühl, dass die Welt da draußen nur auf einen Fehler von mir wartet. Ganz besonders kritisch wird das Thema Geld angesehen.

Doch woher kommt das überhaupt? Wieso darf man mit einer „Arbeit“, die einem Spaß macht und sich nicht wie Arbeit anfühlt, kein Geld verdienen? Wieso darf die deutsche Fußballnationalmannschaft Werbung für Produkte machen, die uns und unsere Kinder krank werden lassen und für Mensch und Tier unter zum Teil unwürdigen Umständen produziert werden? Wieso darf ein Fußball-Bundesligist für einen Tierqualbetrieb Werbung machen und wird dennoch von tausenden Menschen bejubelt? Wieso werden Konzerne unterstützt, die einen Skandal nach dem anderen abliefern, den Ärmsten der Armen das Wasser abschöpfen und es ungefiltert mit ein paar synthetischen Mineralien versetzt, in Plastikflaschen teuer verkaufen? Wieso tun sich gerade viele Menschen damit schwer, die aus meiner Sicht mit ihrem Handeln und ihren finanziellen Mitteln viel Gutes tun, noch mehr Geld zu verdienen? Sind es nicht gerade diese Menschen, die ihr Geld zum großen Teil in sinnvolle und nachhaltige Produkte und Projekte investieren? Woher kommt dieses gespaltene Moneymindset?

Liegt es daran, weil uns schon von Kindesbeinen an eingetrichtert wird, dass Geld den Charakter verdirbt und reiche Menschen böse und arrogant sind? Dass ein Robin Hood der Rächer der Schwachen gegen die bösen Reichen als Held in die Geschichte eingegangen ist? Dass in Filmen wie „Titanic“ die angeblich wahre Seite der Reichen gezeigt wird, wenn diese ganz oben feiern, während der Pöbel unten eingepfercht ist und ersäuft? Liegt es daran, dass im Laufe eines solchen Films sich der böse Reiche in das Rettungsboot schummelt, in das eigentlich nur Frauen und Kinder einsteigen sollten?

„Geld verdirbt nicht den Charakter, sondern bringt ihn zum Vorschein“

Ich bin mir ganz sicher, dass Geld den Charakter nicht verdirbt, Geld verstärkt ihn. Wenn Du ein mieser Typ bist, dann wirst Du es auch bleiben, wenn Du mehr Geld hast als jetzt. Wenn Du ein großes Herz hast, wenn Dir das Schicksal dieser Erde nicht am Arsch vorbeigeht, wenn Du Dich nicht in Ausreden flüchtest und Wege nach Lösungen für eine bessere Welt suchst, dann bist Du genau der Mensch, der sogar richtig viel Geld haben sollte. Du kannst also von Deinem Geld entweder Waffen kaufen oder Kinderheime unterstützen. Wenn Du ein gutes Herz und noch mehr Geld hast, kannst Du sogar Kinderheime aufbauen.

Geld an sich ist neutral. Es liegt an Dir, was Du daraus machst und welchen Wert Du Geld beimisst und Du kannst entscheiden, wofür Du Dein Geld einsetzt. Geld ist aber auch ein Instrument, ein Instrument der Wertschätzung und Anerkennung. Ich kannte früher kaum Menschen, die finanziell wirklich frei und unabhängig waren. Ich bin in einem System groß geworden, in dem mir schon ganz früh erklärt wurde, was ich zu lernen habe und wie ich am Ende der Schulzeit sein soll. Da war kein Platz für Träume oder gar Visionen. Da hat man keine Rücksicht auf meine Stärken genommen, sondern noch versucht meine Defizite mit Nachsitzen und Nachhilfestunden in meinen Kopf reinzudrücken. Da wurde mir oft das Gefühl gegeben, es niemals bis ganz nach oben in unserer Leistungsgesellschaft zu schaffen, weil ich schlecht in Mathematik und Naturwissenschaften war. Ich musste mich die meiste Zeit mit Themen beschäftigen, die mich nicht interessiert und schon gar nicht begeistert haben.

Heute lerne ich immer wieder wundervolle Menschen kennenlernen wie z. B. Tobias Beck oder Laura Seiler. Tobi fährt einen uralten, aber sehr charismatischen VW-Käfer. Laura knattert auf ihrem Rad durch Berlin und versprüht dort ihren Feenstaub. Das sind keine Menschen, die Pelzmäntel tragen, sich dicke Uhren kaufen oder Passanten mit halb leeren Champagnerflaschen bewerfen. Das sind Weltveränderer, Weltverbesserer, Hoffnungsträger. Das sind Menschen, die Dir Deinen wahren Wert zeigen, den Du sicher hast, aber der vielleicht tief in Dir verborgen liegt. Solchen Menschen gebe ich gerne mein Geld. Sie können damit noch größer werden, noch mehr wachsen, noch mehr Menschen erreichen und verändern und selbst die geben ganz viel von ihrem Wissen völlig kostenlos raus, zum Beispiel in ihren Podcasts. Sie investieren unwahrscheinlich viel Zeit und Leidenschaft. Wieso ist es denn normal, dass ich in meinem Angestelltenjob Geld dafür bekomme, obwohl ich für die Träume eines anderen arbeite, aber wenn ich Geld für die Realisierung meines Traums nehmen möchte, dann ist das plötzlich unredlich?

Ist es ein Widerspruch, wenn ich mein Leben immer minimalistischer gestalte und dem klassischen Konsum immer mehr den Rücken kehre und doch viel Geld verdienen möchte? Ich brauche kein Ankleidezimmer mehr, keine 5. Uhr an meinem Handgelenk, ein dickes Auto war mir sowieso nie wichtig. Ich möchte mir damit Zeit kaufen. Zeit für mich, meine Familie, meine Leidenschaften. Und ja, ich möchte schön wohnen und mir immer das beste und gesündeste Essen leisten können. Vor allem aber möchte ich mit meinem Geld Gutes tun. Schon jetzt unterstütze ich als Fördermitglied Vereine wie PETA, Animal Equality, Target von Rüdiger Nehberg. Ich bin Pate einer wunderschönen Sau mit dem Namen Momo, die auf Gut Weidensee lebt und von einem Bullen Namens Dexter, um den sich meine geliebten Flauschmenschen kümmern. Die Flauschmenschen sind an meinen Provisionen beteiligt, die ich über meine selbstständige Tätigkeit als RINGANA-Frischeberater einnehme. Und ich brauche noch viel mehr Geld, damit ich weitere Projekte unterstützen und mir meinen großen Traum von einem eigenen Tiergnadenhof erfüllen kann.

Ich lese immer wieder gerne die Artikel von „Der Graslutscher“ und liebe die Comics und Videos von „Der Artgenosse“. Das sind zwei großartige Vertreter der veganen Bewegung, von denen ich mir noch viel mehr wünsche. Wie geil wäre es denn, wenn diese beiden ethisch korrekten Mega-Klugscheißer noch viel mehr Zeit für ihre geniale Kreativität hätten und noch mehr Zeit für ihre Leidenschaft aufbringen könnten! Das geht aber nun mal nicht ohne Geld, denn auch die beiden Jungs ernähren sich nicht nur ausschließlich von Weidegras und ausgehöhlten Helloween-Kürbissen, die Ende Oktober immer wieder in den Hauseingängen rumstehen. Wenn Du möchtest, dann kannst Du die beiden mangelernährten Vegan-Zombies übrigens gerne unterstützen, das geht sogar schon ab 1€ los:

https://www.patreon.com/graslutscher/

https://www.patreon.com/artgenosse/

Wenn ich an Aktivisten denke, dann fällt mir sofort meine Netzkomplizin Sandy. P. PENG ein. Aktivismus ist nun mal so gar nicht mein Ding. Ich bin einfach kein Demonstrant und fühle mich auf solchen Veranstaltungen nicht wohl. Sandy’s Leben hingegen besteht zu einem großen Teil aus Demos und Aktivismus und sie zeigt fast täglich immer wieder aufs Neue, was ein einzelner Mensch alles bewegen kann.

Ich würde mir wünschen, dass Sandy zu Hause einen Geldspeicher haben würde, so wie Dagobert Duck. Sie würde mit diesem Geld so viel Gutes tun und wäre sicher die Letzte, die sich davon eine teure Markenjacke mit Echtfellbesatz kaufen würde. Sie unterstützt natürlich auch keine Unternehmen, die Tierversuche durchführen oder in einer anderen Form unethisch handeln.

Diese Welt braucht mehr PENG’s, mehr Artgenossen, mehr Graslutscher, mehr Menschen wie Dich.

Ich freue mich auf den Tag, an dem Typen wie Topi und Christian mit Vincent Vegan andere Fastfood-Ketten in den Ruin getrieben haben und ihre Burger aus Gras und Heu die Welt erobern. Ich freue mich auf den Tag, an dem Sandy P. PENG dafür gesorgt hat, dass da draußen keine Menschen mehr mit echtem Fellkragen rumlaufen und aussehen wie eine behaarte Rosette und ich freue mich auf den Tag an dem Typen wie „Der Graslutscher“ und „Der Artgenosse“ auf einem Podium stehen und Massen von Menschen ihnen zuhören werden, weil man ihnen glaubt und vertraut.

Nun gehörte Heiner Geißler sicherlich nicht zu meinen politischen Vorbildern, aber ich möchte diesen Artikel mit einem Zitat von ihm schließen.

„Es gibt Geld wie Dreck auf der Erde. Es haben nur die falschen Leute“

So sehe ich das auch…Und was sagst Du dazu?


Titelfoto: RH Photography