Ich war in meinem Herzen schon als Kind ein Veganer. Ich mochte Fleisch nicht so wirklich und habe viel lieber die Beilagen und vor allem die Soßen meiner Mutter gegessen. Mein Vater hat mir schon sehr früh den sorgsamen Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen beigebracht. Dennoch haben wir natürlich auch so gelebt wie alle anderen auch. Wir hatten einen Hund, den wir sehr geliebt haben, aßen aber nebenbei unser Schnitzel vom Schwein.

Im Dezember 2012 habe ich dann die Dokumentation Earthlings gesehen und von dem Augenblick an war mir klar, dass sich etwas in unserem Leben ändern musste. Ich habe im Kopf aber leider immer noch den Unterschied zwischen Haus- und „Nutz“-Tier gemacht. Deswegen entschlossen wir uns, nur noch „gutes“ Fleisch zu essen. Da Bio-Fleisch aber auch nicht die Lösung war, weil es den Tieren in den meisten Fällen nicht besser geht als Tieren aus der Massentierhaltung und sie an ihrem Ende auch nicht bei klassischer Musik zu Tode gestreichelt werden, sind wir bei einem Neuland-Hof gelandet. Dort leben die Tiere wohl ziemlich natürlich, werden aber eben auch nach kurzer Zeit geschlachtet. Zudem schmeckte uns das Fleisch von dort nicht, weil es im Gegensatz zu industriell verarbeiteter Wurst und der, die man bei fast jedem Metzger bekommt, völlig ohne Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker hergestellt wird. Unsere Geschmacksnerven sind sozusagen industriell „versaut“, weswegen uns natürliche Lebensmittel oft nicht mehr schmecken. Wir haben dann nur noch Hackfleisch und Hähnchen gegessen, waren aber vom Fleisch immer noch nicht weg.

Einen Versuch hatte ich dann noch bei einem Biobauern bei uns im Nachbarort gemacht. Wenigstens das Huhn sollte gut gelebt haben, dachte ich mir damals. Dass es auch dort nach ca. 6 – 8 Wochen schon geschlachtet wird, obwohl es eine natürliche Lebenserwartung von bis zu 15 Jahren hat, habe ich zu dieser Zeit auch verdrängt. Ich hatte dann ein Gespräch mit der netten Verkäuferin dort gehabt, das ungefähr so verlaufen ist:

„Guten Tag! Ich bin ein mündiger Verbraucher und möchte ein Kilo Bio-Hähnchenfleisch kaufen. Haben Sie das auch hier im Angebot? Ich möchte aber nur die Brust, weil der Rest vom Hähnchen ist nicht so meins. Das kann dann gerne als Entwicklungshilfe nach Afrika geschickt werden. Die Eingeborenen da müssen da ja schließlich auch was zu essen haben. “

„Schön, dass Sie sich mit dem Thema schon so ausgiebig beschäftigt haben. Wir haben gestern erst geschlachtet und ich kann Ihnen daher gerne frische Hähnchenbrust von glücklichen Hühnern anbieten.“

„Ich sehe schon, wir verstehen uns. Was kostet denn das Kilo?“

„26€!“

In dem Moment habe ich mich zu meiner Frau umgedreht und sie gefragt, ob die Verkäuferin jetzt dachte, dass ich gleich die ganze Hühnerfarm kaufen wollte, oder ob sie vielleicht einfach einen irreparablen Schaden in der Schaltzentrale haben würde…

„26€ sind jetzt gar nicht mal so günstig. Da bekomme ich bei Feinkost Albrecht einen komplett vollen Einkaufswagen mit Gütern aus aller Welt. Ich nehme dann doch lieber ein Radieschen und zwei Erbsen, bitte. Aber frisch! Wenn ich schon mal beim Biohof einkaufe…“

„Sehr gerne. Soll ich Ihnen die Ware in Alufolie einwickeln oder reichen Ihnen zwei Plastiktüten…?“

Dann kam der Tag, der alles veränderte. Meine Frau hat in einem Kochbuch ihrer Pilates-Trainerin gelesen, dass vegane Ernährung bei Rheuma helfen soll. Sie stand vor mir in der Küche und hatte das Kochbuch „Vegan for fit“ von Attila Hildmann in den Händen. „Ich möchte, dass wir ab heute vegan leben“, hat sie dann gesagt. Im ersten Moment dachte ich, dass bei ihr alle Sicherungen durchgebrannt wären und habe das kategorisch abgelehnt. Dann habe ich eine Nacht drüber geschlafen und mir gedacht, dass wir das versuchen müssen, weil der Wunsch danach in mir schließlich auch schon länger vorhanden war und sich bei ihr endlich etwas tun musste. Seit ihrem 3. Lebensjahr nahm sie dauerhaft Medikamente und war schulmedizinisch mit Ende 20 schon austherapiert… Das Resultat ist nach wie vor beeindruckend, denn sie nimmt seit Frühjahr 2015 keine Medikamente mehr, absolut nichts. Das ist einfach nur großartig.

Und wie sieht es bei mir heute aus? Das dürfte allgemein bekannt sein. Aus dem einstigen Sofahelden mit Krampfanfällen vom Drücken der Fernbedienung ist nun ein Vorzeige-Grasfresser, Weltverbesserer, Moralapostel und Hoffnungsträger für diesen Planeten geworden. Ich liebe unser buntes Essen, habe ungefähr 15 Kilo ohne zu hungern abgenommen, bin viel fitter und vor allem gesünder, treibe regelmäßig Sport, stehe manchmal ganz zufällig mal in einem blühenden Rapsfeld rum, lasse mich dabei spontan fotografieren, und fühle mich wie ein neugeborener Superheld und Öko-Hippie 2.0 – so wie der Veganizer eben 😉


Diese Geschichte ist eine von vielen Fragen, die ich Dir in meinem kostenlosen „Guide für angehende Superhelden und ein buntes Leben“ beantwortet habe. Wenn Dich auch oft fragst, wie Du vegane Elemente in Dein Leben bringen kannst oder auch den kompletten Umstieg schaffst, dann lade ich Dich hiermit ein, ihn Dir runterzuladen. Klick dazu einfach nur auf das Bild unter dem Text hier  🙂 .


Titelfoto: RH Photography