Bevor wir uns auf unser Abenteuer „Umzug nach Spanien“ eingelassen haben, war ich natürlich sehr gespannt, wie sich das alles anfühlen wird. Werde ich mit der spanischen Mentalität gut umgehen können? Die Spanier sollen etwas gemütlicher unterwegs sein, es nicht immer so ganz genau mit Terminen nehmen und auch allgemein lockerer durch die Hose atmen als wir Deutschen. So ist es auch und wahrscheinlich fühle mich hier deswegen so sauwohl, denn die Mentalität liegt mir ganz besonders.

Ein wunderbares Beispiel dafür ist unser Biodealer Diego, der eigentlich Jorge heißt. Ich habe ihn anfangs einfach so genannt, weil er für mich eine gewisse Ähnlichkeit mit Diego Delgado aus dem Film „Blow“ mit Johnny Depp, Penélope Cruz und Franka Potente hat. Seine Öffnungszeiten finde ich schon total spannend. Montags ist sein Laden erst ab 16:30 Uhr geöffnet und schließt wieder um 20:00 Uhr. Ansonsten öffnet er, so steht es jedenfalls an seiner Eingangstür, um 10:00 Uhr. Es ist aber auch gut möglich, dass sich diese Zeit nach hinten verschiebt. Vielleicht rechnet er auch einfach nur anders und zählt die Zeit mit ein, wenn er seine Haustür abschließt und von da aus zu Fuß in seinen Laden geht. Auch wenn draußen dann schon Kunden stehen, verfällt er nicht in Stress und bleibt ganz locker. Schon gar nicht entschuldigt er sich für die Verspätung. Alle sind einfach nur froh, dass er da ist und jetzt bei ihm einkaufen dürfen. Er lässt einen aber auch in Ruhe einkaufen, wenn eigentlich schon Ladenschluss ist und an einem Tag hat er sogar extra für uns nochmal seinen Laden geöffnet.

In dem Geschäft riecht es ganz wunderbar nach Räuchersachen. Jorge ist ein Freund von natürlichen Mitteln, mit denen man Krankheiten begegnen sollte. Er ist zudem kein Anhänger von Importware, die man auch in Spanien erhalten kann. So hat er sich an einem Tag leidenschaftlich dazu geäußert, dass er es nicht verstehen kann, wenn man in Spanien Äpfel aus Italien verkaufen würde, obwohl es doch hier auch welche geben würde. Meistens an seiner Seite ist der King of Rock ‘n‘ Roll aus Jávea: sein bezaubernder Hund Elvis.

Elvis ist ein ganz wundervolles Tier und liebt es, von uns gestreichelt zu werden. Er hatte vor Jahren einen Autounfall und zieht seitdem ein Pfötchen immer hinterher. Wenn ich ihn seitlich kraule, dann bekommt er so einen Hüftschwung wie einst sein Namensvetter, wenn er mit seiner Gitarre die Massen verzaubert hat, und droht dabei fast umzukippen. Da er nur noch schlecht Treppen steigen kann, hat Elvis seine eigene Rampe bekommen, die er hochgehen kann.

Was mir an diesem Duo Infernale aber ganz besonders gefällt ist die Energie, die sie ausstrahlen. Beide wirken sehr, sehr zufrieden und es kommt immer wieder vor, dass uns Jorge ein paar frische Sachen aus seinem Garten schenkt, die dort wachsen. Am besten gefällt es uns, wenn er laut Musik hört, dazu singt und es ihm vollkommen egal ist, wie viele Kunden gerade bei ihm sind. Wenn dann noch Elvis dazu durch den Bioladen trottet, dann ist meine heile Welt perfekt. Noch perfekter wurde es für mich, als mir Jorge einen ganz besonderen Gemüsehändler im Ort empfohlen hat. Er sei berühmt für seinen kleinen Kohl, wie er ihn bezeichnete. Ich konnte es kaum glauben, dass er damit Rosenkohl meinte.

Es ist wichtig, solche Wesen wie Jorge und Elvis zu kennen, weil sie sehr gut vernetzt sind und Dir von einem Zahnstocher bis zum Flugzeugträger alles besorgen können. Mir reicht aber erst mal der Tipp mit dem Rosenkohl. Natürlich habe ich diese Empfehlung gerne angenommen und bin am nächsten Tag dorthin gefahren. Traumhaft! Frisches Obst und Gemüse in Bio-Qualität und dann auch noch Rosenkohl. Weltklasse, ich habe meine heile Welt gefunden 🙂 .

Für ca. 3-4 Portionen

Rosenkohlpesto:

    • 6 EL Olivenöl
    • 1 gr. Zwiebel geschält und in dünne Ringe geschnitten
    • 1 Zehe Knoblauch geschält und klein gehackt
    • 400g Rosenkohl geputzt, gewaschen, entstrunkt und in Viertel geschnitten
    • 1 TL Süße (z. Bsp. Birkenzucker oder Ahornsirup o.Ä.)
    • 50g Nüsse (Sonnenblumenkerne, Pinienkerne, Haselnüsse o.Ä.)
    • 2 EL Hefeflocken (statt Parmesan)
    • 1/2 TL Kreuzkümmel (geht zur Not auch ohne)
    • 1 EL Zitronensaft
    • 50ml Gemüsebrühe
    • Salz und Pfeffer zum Abschmecken

Den Backofen vorheizen auf 200°C Umluft. Ein Backblech mit Backpapier auslegen. In einer Schüssel die Zwiebelringe, die Rosenkohlviertel, Birkenzucker, 2 EL Olivenöl, Kreuzkümmel mit etwas Salz zusammen ordentlich vermischen. Dann alles komplett auf das Backblech geben und backen lassen. Die Backzeit variiert sehr nach dem Modell des jeweiligen Ofens. Ich habe die Mischung ca. 25 Minuten drin gehabt, das Originalrezept ist mit 10-12 Minuten Backzeit angegeben. Aber auch hier ist der Hinweis mit dabei, dass die Garzeit des Kohls unterschiedlich ist. Achte auf jeden Fall darauf, dass der Kohl nicht schwarz wird. Du kannst die Mischung auch in der Pfanne anbraten bis der Kohl gar ist.

Wenn die Masse im Ofen fertig ist, dann löffelst Du davon ca. 150g in ein hohes Gefäß, dazu die Hefeflocken, den Zitronensaft, den Knoblauch, die Nüsse (gerne auch vorher angeröstet in der Pfanne), die Gemüsebrühe, 4 EL Olivenöl, ca. 1 TL Salz. Das jetzt alles mit einem Stabmixer pürieren, ggf. noch mit Salz und Pfeffer abschmecken und am besten zu (glutenfreien) Nudeln servieren.

Das Originalrezept ist von meiner veganen Lieblingsbloggerin Lea Green von veggi.es.

Arbeitszeit: ca. 30-40 Min.

Das Pesto schmeckt auch super auf Brot oder als Gemüsedip