Wenn ich an Apfelkuchen denke, dann muss ich gleich an meine Zeit denken, als ich noch als kleiner Junge die älteren Damen mit meinen blonden Locken in Verzückung gebracht habe. Damals wollten mich nahezu alle Omas und Tanten der Region Helmstedt streicheln und kraulen. Das hat mir meistens nicht besonders behagt, aber da musste ich durch. Im Laufe der Jahre hat das dann aber immer mehr nachgelassen, obwohl ich mich heute noch mindestens genauso niedlich finde wie damals. Vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass aufgrund meiner aktuellen Körpergröße die meisten Omas eine Leiter bräuchten, um an mein Haupthaar zu gelangen. Mit einem veganen und glutenfreien Apfelkuchen hat das jetzt natürlich recht wenig zu tun, deswegen komme ich lieber zurück zu meinen Anfangsgedanken.

Wenige hundert Meter von meinem Zuhause entfernt gab es an einer Landstraße noch Apfel- und Birnbäume. Die gehörten im Grunde jedem, der daran vorbeigegangen ist. Ich war dort oft mit meinem Vater und habe welche eingesammelt. Er hat die Bäume ordentlich geschüttelt und ich bin dann strahlend um die Bäume gerannt und habe die Früchte eingesammelt. Für meinen Vater war das gleich noch eine wunderbare Gelegenheit, in sein geliebtes „Gebirge“ zu gehen. So nannte er die Helmstedter Lübbensteine. Ein wahrhaft mystischer Ort, an dem wir auch als Kinder immer sehr gerne gespielt haben und mein großer Bruder einst mit einem Holzgewehr und scharfer Munition aus einem Sektkorken, der an dem Gewehr mit einem Band festgebunden war, in einem nahegelegenen Wäldchen auf der Pirsch lag und die Rebhühner (ja, solche Tiere haben wir damals noch sehr häufig gesehen…) mit seiner puren Anwesenheit in Angst und Schrecken versetzt hat.

Mein Vater war zwar ein Naturbursche durch und durch, jedoch lag sein Interesse an seinem „Gebirge“ eher in der angrenzenden Gartenkantine. Dort hat er manches Mal mit einigen Helmstedter Zeitzeugen Skat gedroschen und dabei natürlich das ein oder andere Bier „mit Schaum nach unten“ gezischt. Das war einer seiner Standardwitze, wenn er irgendwo ein Bier bestellt hatte. Obwohl…wenn ich mich richtig erinnere, dann gab es im Gebirge gar keinen Gerstensaft vom Fass, sondern gutes deutsches Bauarbeiterbier aus kleinen braunen Glasflaschen. Egal, schön war’s trotzdem, denn ich durfte mir dann immer ein Eis und eine Limo reinschrauben. So war es sicher auch kein Zufall, dass mein großer Bruder und ich im Jahr 2010 zum letzten Mal mit unserem Vater ausgerechnet in seinem geliebten „Gebirge“ unterwegs waren. Wir haben ihn Vatertag abgeholt und er konnte die gut 500 Meter in die Gartenkantine damals noch selbst laufen. Da hat er dann zum letzten Mal für sich und seine beiden Söhne ein kühles Blondes mit Schaum nach unten ausgegeben. Das sind ganz wunderbare Erinnerungen für mich. Jetzt ging es zwar mehr um meinen Vater, Bier und Erinnerungen, aber saftigen Apfelkuchen hat auch mein Vater immer gerne gegessen. Somit ist der Kreis auch wieder geschlossen 😀 .

Veganer und glutenfreier Apfelkuchen

Zutaten für eine Springform (Ø 26 cm):

    • Belag: ca. 800 g Äpfel (Elstar)
    • Teig:
      125 g glutenfreie Mehlmischung „Mix C“ von Schär
      3,5 TL Backpulver
      1 Packung Vanillezucker
      Abrieb einer halben Zitrone
      125 g Rohrzucker
      125 g weiche Margarine
      160g ungesüssten Apfelmus
    • Streusel:
      75 g Schär Mehl Mix C
      50 g Rohrzucker
      50 g weiche, vegane Margarine
      1 TL Zimt

Vorbereiten:
Äpfel waschen, schälen, entkernen und in Stücke schneiden, Ofen vorheizen auf 160 Grad bei Umluft

All-in-Teig:
Mehl mit Backpulver in einer Rührschüssel mischen. Übrige Zutaten hinzufügen und alles mit einem Mixer (Rührstäbe) kurz auf niedrigster, dann auf höchster Stufe 2 Min. zu einem glatten Teig verarbeiten. Den Teig in die Springform füllen und glatt streichen. Die ApfelStücken gleichmäßig auf dem Teig verteilen.

Streuselteig:
Mehl in eine Rührschüssel geben, mit Zucker und Zimt mischen und Margarine hinzufügen. Alles mit dem Mixer (Rührstäbe) zu Streuseln von gewünschter Größe verarbeiten. Die Streusel auf die Äpfel verteilen. Die Form auf dem Rost in den Backofen (Mitte) schieben.

Kuchen 45 Minuten bei 160 Grad (Umluft) backen und anschließend nochmal 5 Minuten bei 200 Grad Oberhitze (dann werden die Streusel noch ein wenig knuspriger).

Für ein ganzes Blech einfach die doppelte Menge an Zutaten nehmen. Wer es nicht ganz so klitschig mag, schneidet die Äpfel in Spalten und verteilt diese dann auf dem Teig. Schmeckt auch immer wieder hervorragend mit Zwetschgen/ Pflaumen.

Die Idee zu dem Kuchen hat Frau Birdsen hier gefunden.

Arbeitszeit: ca. 30 Min.

Backzeit: ca. 50 Min.

Wenn Du den Kuchen zuckerarm machen möchtest, kannst Du den
(Rohr-)Zucker auch durch Birkenzucker ersetzen