Als ich noch ein extrem cooler Teenager mit zerrissenen Bundeswehrhosen und angemalten Turnschuhen war, da habe ich mir um meine Gesundheit natürlich noch keine Sorgen gemacht. Morgens hat mir mein Vater immer das Frühstück gemacht. Er musste um 7:30 Uhr bei der Arbeit sein, die er zu Fuß in höchstens 10 Minuten erreicht hatte. Dennoch ist er schon um 5:30 Uhr in der Woche aufgestanden, weil er im Wohnzimmer auf dem Sofa noch die Braunschweiger Zeitung lesen wollte. Das hat er immer sehr ausgiebig getan und hat für sein Geld die maximale Ausbeute an geschriebenen Worten eingesaugt. Ich bekam dann immer auf einem Tablett ein Brötchen mit ganz dick Nutella und Butter drauf. Dazu gab es eine Tasse Getreidekaffee von einem Unternehmen, dessen Namen ich nicht nennen möchte, da ich mit den offenbar nicht vorhandenen ethischen Grundsätzen dieser Raubtierkapitalisten nicht einverstanden bin. Er kam dann immer pfeifend in mein Zimmer rein, was mir überhaupt nicht gepasst hatte, weil ich ein Morgenmuffel war.

Natürlich wusste er das und hat es offenbar jeden Morgen genossen, mich mit seinen Volksliedern pfeifend zu beschallen. Ganz besonders gern erinnere ich mich an einen Song, den er früher oft gesungen und gepfiffen hat:

„Kennen Sie das Märchen schon vom verliebten Postillon…“

Wenn ich google trauen darf, dann ist dieser krachend harte Song von dem berühmt berüchtigten Cornel-Quintett aus dem Jahr 1951. Wahrscheinlich haben diese harten Jungs damals auch schon Scharen von kreischenden Groupies nach ihren Gigs abgeschleppt und anschließend in ihren Hotelzimmern eine Spur der Verwüstung hinterlassen haben wie so mancher Star das für gewöhnlich gerne mal tut.

In der Schule angekommen, kam dann oft wieder Hunger auf. Komisch…ich hatte doch sehr reichhaltig gegessen vorher und mindestens 50g Kristallzucker zu mir genommen mit meiner Portion Nutella. Aber ich hatte einen Sitznachbarn, der

  • ein großes Herz hatte
  • schon im Alter von 14 Jahren Lacoste-Tennissocken trug und jetzt kommt das Entscheidende:
  • eine wunderbare Mutter hatte, die ihm ganz wundervolle Brote geschmiert hat

Es handelte sich um meinen alten Schulfreund Jensen. Er hat mir jeden Tag eines seiner Brote mit Apfel-Griebenschmalz überlassen. Jensen war so ein Typ, der nie gejammert oder gelästert hat, dazu noch sehr großzügig war und der schon sehr früh ein recht souveränes Auftreten hatte. Davon war ich in dem Alter so weit entfernt wie die Erde vom Mond. Daher ist es auch kein Zufall, dass sich dieser alte Jachthund dann irgendwann mit Kiki eine der besten Frau der ganzen Stadt geschnappt hatte, während ich palettenweise Hansa-Pils gestemmt habe. Aber bleiben wir doch bei dem Thema „Brot“.

Es gab noch einen weiteren Mitschüler, den ich sehr geschätzt und dessen Gegenwart ich immer sehr genossen habe. Das war Mirco, in Fachkreisen auch unter dem kurzen und prägnanten Decknamen „Hü“ bekannt. Wir beide waren sowas wie die gesetzlosen Punker in der Klasse, jedenfalls kamen wir uns trotz Mittelscheitel so vor. Da wir nicht gerade zu den Aktivisten zählten, musste die Revolution und somit die Einläutung des Untergangs des herrschenden Systems noch ein wenig auf sich warten lassen. Wenn ich an Hü denke, dann fällt mir sofort die Band „Foyer des Arts“ ein, die passend zu meinem heutigen Thema überaus sozialkritische Songs gespielt hat.

„Schimmliges Brot verdirbt oft die Freunde.
Schimmliges Brot schmälert das Vergnügen.
Schimmliges Brot ist selten von Vorteil.“

Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. Natürlich gilt diese Aussage auch zu 100% für mein glutenfreies Kräuterbrot ohne Mehl 😉 .

Für ca. 4 Portionen:

Alle trockenen Zutaten in eine große Schüssel geben und gut umrühren. Dann das Wasser und das Kokosöl (das Kokosöl vorher in einem Wasserbad flüssig machen) zugeben und wieder alles ordentlich umrühren bis eine feste Masse entsteht. Die Schüssel zur Seite stellen und ca. 30 – 60 quellen lassen. Den Herd auf 180°C (Ober-Unterhitze) vorheizen.

Die Masse nun in eine mit Backpapier ausgelegte Kastenform fest eindrücken, dass am besten keine Hohlräume entstehen. Die Form für 30 Minuten in die Mitte des Ofens stellen und backen lassen. Danach das Brot aus dem Ofen holen und aus der Form stürzen. Jetzt legst Du es auf einen Gitterrost und lässt es von der anderen Seite weitere 30 Minuten backen. Die Backzeit kann je nach Herd variieren. Teste am besten mit einem Stäbchen, ob das Brot schon fest ist.

Wenn es fertig ist, dann lass es erst mal auskühlen, dadurch wird es noch fester. Lagern kannst Du es im Gemüsefach Deines Kühlschranks. In ein Baumwolltuch eingewickelt hält es bei mir mindestens 5 Tage. Das Brot schmeckt auch getoastet richtig lecker.

Arbeitszeit: ca. 15 Min.
Backzeit: ca. 60 Min.

 

Ich mische gerne für mehr Würze noch einen EL Sojasoße unter die Masse