Fußball war für mich immer das Größte. Ich habe die Stadionluft eingeatmet wie heute meine Salatblätter und brauchte diese Luft zum Leben. Schon seit meiner Geburt in Helmstedt habe ich eine besondere Beziehung zu diesem Sport gehabt. Mit meinem großen Bruder teilte ich mir ein Zimmer, das von meinem Vater in den Vereinsfarben unseres Clubs Eintracht Braunschweig blaugelb angestrichen war. Mein gesamtes Leben war danach ausgerichtet: Wann kann ich Urlaub nehmen? Welche spielfreien Wochenenden kann ich für familiäre Aktivitäten verplanen? Welche Ausrede kann ich dieses Mal benutzen, wenn mich irgendjemand fest eingeplant hat, aber zu dieser Zeit gerade meine Eintracht spielt?

Im Stadion konnte ich mich benehmen wie ein Kind und niemand hat sich daran gestört. Das ist wie ein eigener Planet für mich gewesen. Doch im Laufe der Jahre hat sich mein Sport dann immer mehr in eine Richtung entwickelt, die mir sehr missfallen hat. Wir haben früher im Block gestanden und fünf Minuten vor Spielbeginn gefragt, gegen wen wir überhaupt spielen. Heute stellen viele Stadiongänger diese Frage schon Wochen vorher und machen ihr Erscheinen vom Namen des Gegners abhängig. Dazu dieser schreckliche Kommerz, von dem ich mich innerlich immer mehr freimache. Höchste Zeit, dass ich meiner Funktion als Superheld mal wieder gerecht werde und mich um dieses Problem kümmere. Da ich nicht mehr an Zufälle glaube, hat das Zeichen, auf das ich gewartet habe, sich nicht mehr lange bitten lassen.

Die Idee

Meinen Freund Nici kennst Du als aufmerksamer Leser meines Blogs bereits. Er ist dieser geniale Koch, der sich aus dem Stand mit über 40 Jahren Lebenszeit einfach mal so zum ersten Mal in seinem Leben an den Herd stellte und seine Familie mit meiner großartigen Kürbissuppe verzaubert hat. Na gut, sie hat ihm jetzt nicht sooo gut geschmeckt, aber das muss doch niemand wissen und tut hier auch überhaupt nichts zur Sache. Jedenfalls bekam ich von ihm die Anfrage, ob ich mir ein Sponsoring der E-Jugendmannschaft des Helmstedter SV  vorstellen könnte, in der auch sein Sohn Liam spielt.

Und zack! Da hatte mich das Universum nebst meinem Bankkonto am Haken und habe mal eben schnell meine Spendierhosen übergezogen, die ich sehr gerne und auch sehr häufig trage. Es handelt sich dabei um Spitzenqualität. Ähnlich wie die legendäre kurze Stoffhose, die mein Vater locker 50 Jahre lang bei der Gartenarbeit getragen hat. Sie nutzt sich also im Laufe der Jahre nicht ab.

Der Spieltag

Am 02.04.2017 begann dann die neue Zeitrechnung im Club und meinem Geburtsort. Denn an diesem Tag haben die Jungs ihre neuen Trainingsanzüge eingeweiht und das auch noch ausgerechnet gegen meinen alten Jugendclub TSV Germania Helmstedt. Das ist eine ähnliche Konstellation als würde Eintracht Braunschweig gegen Hannover 96, Eintracht Frankfurt gegen die Offenbacher Kickers oder Borussia Dortmund gegen Schalke 04 spielen. Dazu kam auch noch, dass es sich um die Meisterrunde handelt, für die sich 6 Mannschaften im Lauf der Saison qualifizierten.

Dementsprechend war auch die Atmosphäre auf dem gut besuchten Sportplatz am Bötschenberg zu Helmstedt, es waren nahezu südländische Verhältnisse. Ich wurde von unseren Supportern gleich überschwänglich bejubelt, als ich das weite Rund betrat. Dabei bewarfen mich die Lappwald-Ultras aus ihrem Block mit frisch gemähtem Gras, was mich natürlich sehr gefreut hat. Ich möchte noch ausdrücklich erwähnen, dass beide Fanlager sehr fair und wie echte Sportsfreunde miteinander umgegangen sind.

Die Spielvorbereitung

Wir haben uns dann für die nationalen und internationalen Pressvertreter zu einem Mannschaftsfoto positioniert. Unser großartiger Trainer Michel Müller hat die Jungs unmittelbar vor dem Spiel noch angeheizt, aber sie waren alle sowieso schon heiß wie Frittenfett und bereit auf dem Platz alles zu geben. Auch ich richtete noch einige motivierende Worte in Richtung der Jungs.

Das Spiel

Als der Schiedsrichter die Partie dann endlich angepfiffen hat, haben unsere Jungs sofort das Kommando übernommen und vom Anstoßpunkt weg die erste Torchance gehabt. Doch leider ging das Spielgerät knapp am rechten Pfosten des gegnerischen Torwarts ins Aus. Nahezu im Gegenzug ist es dann leider schon passiert. Der Sohn meines alten Freundes Kalli Sube, Joshua, ist vor unserem Keeper an den Ball gekommen und hat ihn gekonnt über ihn zum 0:1 gelupft. So ein schönes Tor sieht man selbst in höheren Klassen nur selten. Die Vollstrecker-Qualitäten hat er sicher von seinem Vater in die Wiege gelegt bekommen. Dieser Treffer kam sozusagen aus dem Nichts und hat unsere Jungs mitten ins Mark getroffen. Die nächsten Gegentore ließen leider nicht lange auf sich warten, obwohl wir mit Marc Krenge einen wirklich guten Keeper zwischen den Pfosten haben, der einige Bälle gut abgewehrt hatte. Das Spiel ging hin und her, doch die Tore fielen bedauerlicherweise aus unserer Sicht immer auf der falschen Seite. Mit einem 0:3 ging es dann in die Kabinen und es wurde zum Pausentee gebeten.

Die ersten zehn Minuten plätscherten so dahin, dann erzielte der TSV innerhalb von nur 6 Minuten 5 weitere Tore. Doch plötzlich keimte Hoffnung auf. Wiktor Buchwald hat in überragender Manier den gegnerischen Keeper ausgeguckt und zehn Minuten vor Schluss auf 1:8 verkürzt. Sofort war unser Fanblock wieder da und peitschte die Jungs nach vorn. Doch der TSV schlug postwendend zurück. So endete das Spiel schließlich mit 1:13 aus unserer Sicht.

Dennoch war ich mit der Leistung voll zufrieden. Ich bin mir sicher, dass das Spiel anders ausgeht, wenn der erste Schuss von uns im Tor gewesen wäre. Vielleicht habe ich auch eine Teilschuld an der Niederlage, denn ich sagte kurz vor dem Spiel zu der Mannschaft, dass sie heute Gras fressen müssen. Das haben sie offenbar wörtlich genommen, weil sie mir einen Gefallen tun wollten. Der ein oder andere Spieler von uns weidete gelegentlich auf dem Platz, was dem Gegner natürlich zugutekam, da sie dadurch mehr Räume zur Verfügung hatten.

Das Fazit

Ich nehme die Niederlage also auf meine Kappe, bin jedoch trotzdem stolz auf den Mannschaftsgeist und darauf, dass jeder alles gegeben hat. Wenn noch die drei verletzten bzw. erkrankten Spieler zurückkommen, und die Truppe da ansetzt, wo sie nach den ersten beiden Spielen aufgehört hat, dann kann das doch noch eine erfolgreiche Meisterrunde werden..

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Kopf hoch, Jungs! Das nächste Match gehört Euch.