Ich hatte es als kleiner Junge schon nicht so ganz leicht an den Feiertagen, wie Du in meinem letzten Artikel lesen konntest. Dennoch war Weihnachten schon immer eine schöne Zeit. Mein großer Bruder und ich freuten uns jedes Jahr schon diebisch auf ein immer wiederkehrendes Ereignis beim Essen. Vorab gab es traditionell eine Hochzeitsuppe, damals natürlich noch mit Hackbällchen und Eierstich, heute dafür bei mir zu Hause mit mehr Gemüse. Wir liebten diese Suppe, vor allem aber mein Vater. Mit einem lauten Schlürfen atmete er die Suppe ein. Wenn der Teller leer war, dann zwirbelte er sich zufrieden an seinem Bart und sagte wie jedes Jahr zu meiner Mutter:

„Stummel, das reicht mir eigentlich schon.“

Da konntest Du die Uhr nach stellen! Denn diese Szene inklusive des Bartzwirbelns, was stets ein Zeichen von vollkommener Zufriedenheit bei meinem Vater war, wiederholte sich tatsächlich jedes Jahr immer wieder. Meinen Bruder und mich erheiterte das natürlich sehr und deswegen spielen wir dieses Ritual heute jedes Mal noch nach, weil mein Vater leider nicht mehr mit an unserem Tisch sitzen kann. Meine Mutter war zu diesem Zeitpunkt meistens schon ein wenig angesäuert. Ich dachte damals meistens, dass das an dem Stress in der Küche lag, den sie immer hatte. Heute vermute ich, dass es vielleicht ein anderer Grund gewesen sein konnte. Denn kaum wurde die Suppe serviert, da haben wir alle ohne vorher zu probieren, die berühmt berüchtigte braune Flasche mit der allseits bekannten braunen Würze genommen und ordentlich davon in die Suppe gegossen. Wir waren geradezu süchtig nach diesem Zeug, ich habe das sogar auf meine Wurstbrote und Eier gemacht, mir hat fast nichts mehr geschmeckt ohne eine ordentliche Portion davon. Da ich heutzutage Produkte mit Zusatzstoffen, und vor allem mit künstlichen Geschmacksverstärkern meide, habe ich das Problem zum Glück nicht mehr.
Ich kann mir aber mittlerweile sehr gut vorstellen, dass das für die Köchin / den Koch ein ganz übles Erlebnis sein muss, wenn jeder am Tisch zuerst zu der braunen Pulle greift und damit die Suppe überwürzt.

Dann kam der Hauptgang: Pute mit Kartoffeln und Rotkohl. Ich muss schon gestehen, dass viele Tiere ein Problem haben, denn sie schmecken einfach gut. So war das mit der Pute auch, vor allem die braune Soße dazu war ein Gedicht. Jedes Jahr habe ich nach dem Essen gesagt, dass das ein sehr glückliches Tier gewesen sein muss, weil es so gut geschmeckt hat. Heute weiß ich, dass das ganz sicher nicht so war und ich glaube, das war mir damals auch schon klar. Es war an Weihnachten immer so, dass ich mich buchstäblich überfressen habe, weil ich mir mit meinem Bruder einen Kampf und die Bruststücke geliefert habe. Ich sehe immer noch seinen gierigen Blick auf den Servierteller, ob auch noch für ihn genug dabei war. Ich duldete aber am Tisch keine Fressfeinde, musste mich jedoch zurücknehmen, weil jeder den gleichen Anteil der Beute bekam. Danach musste ich erst mal auf dem elterlichen Sofa in die stabile Seitenlage gebracht werden. Für den absoluten Notfall hatte mein Vater noch ein Sauerstoffzelt im Keller, falls ich nicht mehr dazu in der Lage war, selbstständig zu atmen.

Seit ein paar Jahren haben wir nun das Weihnachtsessen zu uns nach Hause verlegt. Das ist für alle Beteiligten einfacher und natürlich auch gesünder so 😉
Ich serviere dann für meine Familie, meine Mutter, meinen Bruder und meine Schwiegereltern zuerst die Hochzeitssuppe und als Dessert gibt es dieses Jahr einen veganen und glutenfreien Spekulatiuskuchen von Frau Birdsen. Als Hauptgericht kredenze ich einen in Blätterteig gebackenen Linsenbraten mit Rotkohl, Klößen und brauner Soße.

Es würde mich wahnsinnig freuen, wenn Du Dich auch für ein pflanzliches Weihnachtsmenü entscheiden würdest, damit das Fest der Liebe auch ein Fest für die Tiere wird 🙂

Für 3 Linsenbraten (8 Personen):

Linsen und Mais in einem Sieb waschen und gut abtropfen lassen. Öl in einer Pfanne erhitzen, Knoblauch und Zwiebeln in kleine Würfel schneiden und dann glasig anbraten. Nun alle Zutaten in eine große Schüssel rein und gut vermischen und abschmecken. Ich mache das immer mit einem Stabmixer (*), aber so, dass von dem Gemüse noch was erkennbar ist.

Nun aus der Masse 3 Laiber formen, in den Blätterteig einrollen, und auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech platzieren. In die Mitte des Ofens schieben und ca. 35 Minuten bei 180°C backen.

Ich habe den Braten auch schon ohne Blätterteig gemacht. Dann sollte man ihn aber ca. 10 Minuten früher aus dem Ofen nehmen, wenn die Außenseite schön kross ist.

Dazu passen am besten Kartoffeln oder Klöße und Rotkohl.

Arbeitszeit: 15-20 Min.
Backzeit: 35 Min.

Die braune Soße mache ich neuerdings nach einem Rezept von Nadine & Jörg, Du findest es hier auf ihrem Blog eat this!

Die Soße habe ich jetzt zwei Mal gemacht. Beim ersten Versuch hatte ich keinen Rotwein und keinen Thymianzweig. Ich habe einfach Weißwein genommen und den Thymian weggelassen. Beim zweiten Versuch habe ich die Soße kindgerecht ohne Wein gemacht und einfach durch mehr Gemüsebrühe ersetzt. Wenn Du die Soße pürieren solltest, dann würde ich noch ca. 50 – 100ml mehr Gemüsebrühe nehmen, aber das ist Geschmackssache. Die Soße ist auf jeden Fall der Hit und spart mir eine Menge Zeit, weil ich sonst immer eine Jus zubereitet habe, für die ich ca. 1,5 Stunden brauchte.

Beim Einwickeln des Bratens in den Blätterteig drauf achten, dass Du die Nahtstelle nach unten legst, sonst öffnet sich die Rolle beim Backen

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