In meinem letzten Blogpost „5 Menschen, die mich inspiriert haben, Blogger zu werden“, habe ich Dir Andrea, die ich schon eine gefühlte Ewigkeit kenne, bereits vorgestellt. Unsere Wege sind im Laufe der Jahre in unterschiedliche Richtungen gegangen, aber dennoch haben wir den Kontakt nie so ganz verloren. Ich erinnere mich noch an Zeiten, in denen sie sich mit ihrer damaligen Freundin zusammen an den Wochenenden fast immer in meiner 1,5-Zimmerwohnung breit gemacht hat. Natürlich war es damals schon ein Hochgenuss, sich mit so einem Typen wie mir die Zeit vertreiben zu dürfen.

Bei mir gab es immer genug zu trinken, Zigaretten hatte ich immer für eine ganze Kompanie am Start, und ich war natürlich auch schon zu diesen Zeiten ein Aushilfs-Komiker. Ehrlich gesagt weiß ich heute nicht mehr, wie ich das alles finanziert habe. Es war wohl eher so, dass ich die Räumlichkeiten gestellt hatte und meine Besucher dafür den Kühlschrank mit Flüssignahrung füllten.

Ich denke, dass sie auch deswegen so gerne bei mir waren, weil in meiner kleinen Hütte immer was los war und die Wege sehr kurz gewesen sind. Ich wohnte mitten in der kleinen Innenstadt unseres Heimatstädtchens. Die einschlägigen Etablissements waren in wenigen Minuten, ja teilweise sogar Sekunden, zu erreichen und wir hatten nie Langeweile. Für mich kam nur erschwerend hinzu, dass ich dann meistens auf einem meiner beiden Sofas schlafen musste, weil die feinen Damen es sich in meinem Bett bequem gemacht hatten. Aber was tut man nicht alles, damit sich seine Gäste wohlfühlen.

Wir hatten auf jeden Fall viel Spaß und das war auch gut so. Essen war nicht so unsere Stärke, daher kann man unsere Aktivitäten schon fast als Wochenend-Heilfasten der 90er Jahre bezeichnen, auch wenn uns das damals gar nicht so bewusst war. Wir haben viel mehr im „Jetzt“ gelebt und uns wenig Gedanken um morgen und schon gar keine um übermorgen gemacht.

Gewohnt habe ich damals in einem großartigen Haus. Meine Nachbarn waren die besten, die man sich nur vorstellen konnte. Die Türen standen immer offen, falls man mal etwas brauchte. Wenn wir uns nicht einigen konnten, wo wir uns zum „Warmmachen“ treffen wollten, dann haben wir uns einfach in den Hausflur gesetzt, selbigen mit Decken und Kissen ausgelegt, die Boxen in den Flur geschoben und dort den Tag begonnen. Es gab nie Streit, bis auf das eine Mal…unser Lieblingsnachbar Gerd hatte sich unsterblich „zerliebt“, wie er es damals nannte. Nun haben wir ihm wirklich nur das Beste gewünscht, aber eine feste Liebe mit allem Drum und Dran? Das war für uns alle unvorstellbar, weil wir dann wohl einen Freund verloren hätten. Ja, wir haben unseren Protest deutlich gemacht und sogar Plakate in den Hausflur gehängt, die sinngemäß beinhalteten, dass wir unseren alten Gerd zurückhaben wollten. Das war von uns selbstverständlich nicht böse gemeint, denn in unseren Augen ging Freundschaft eindeutig vor. Nach einer kurzen Durststrecke hatte sich die „Zerliebtheit“ dann wieder in Schall und Rauch aufgelöst und wir feierten ihn wie einen Popstar, nachdem er in unsere Mitte zurückgekehrt war.

Es kam auch mal vor, dass es ein Mitbewohner nicht mehr bis in die Wohnung geschafft hat und im Flur oder auf dem Fußabtreter vor der Haustür Endstation gewesen ist. Alles kein Problem gewesen, man hat sich gegenseitig gestützt und in kompletter Montur ins Bett geworfen.
Wir waren alle für uns da und wir passten gut zusammen, so wie wir waren. Wir hatten nicht mal Streit mit Sylvia, das war die hübsche Tochter unseres Vermieters, die ebenfalls mit ihrem heutigen Mann auf unserem Gang lebte. Sie hat sogar selbst das ein oder andere Mal mit uns im Flur gesessen, wenn wir dort Gas gegeben haben.

Am liebsten war ich bei Gerd, er hatte das beste und bequemste Sofa von uns allen. So eine Qualität gibt es heute gar nicht mehr, denn obwohl dieses Möbelstück sehr häufig benutzt wurde, zeigte es keinerlei Abnutzungserscheinungen. Mehrere Stunden täglich lag sein gazellenähnlicher Astralkörper in der Horizontalen, tief in seiner Kuscheldecke vergraben, darauf. Lediglich sein Fernseher und die dazu gehörige Fernbedienung arbeiteten auf Hochtouren. Als wir einen seiner Geburtstage bei ihm zu Hause feierten, bekam er von seinen sensationellen Eltern, die ein Gewinn für jede Party waren, eine neue Decke geschenkt. Unter großem Jubel zeigte er seine neueste Errungenschaft und wir waren uns alle einig: es hätte für ihn kein besseres Geschenk geben können.

Wären damals Kameras in unseren Wohnungen gewesen, dann hätten Sendungen wie „Big Brother“, „Lindenstraße“, „GZSZ“ usw. einpacken können.
Ja, wir waren Freigeister und hatten genug Pläne in der Schublade, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wir hätten Revolutionäre werden und der Welt mehr Hoffnung schenken können. Das Problem daran war nur, dass wir dafür meistens keine Zeit hatten oder es im Laufe eines Abends einfach wieder vergessen haben.

„Mensch, wolltest Du nicht die Welt verändern?“
„Verdammt! Das habe ich total vergessen…“

Gerd und ich sehen uns heute noch ab und an mal. Einen festen Termin im Jahr haben wir uns für alle Zeiten gesichert und das wird auch so bleiben. Wir sprechen dann immer über die guten, alten Zeiten und wie schön wir es doch hatten. Auch heute haben wir natürlich noch einige Pläne für diese Welt auf Lager.

Wie bekomme ich denn jetzt eigentlich die Kurve zu meinem sagenhaften Gericht, das ich für Dich gekocht habe? Dieses Mal ist das Essen von Andrea nicht im Klo gelandet, denn die Idee von der Kartoffel-Koriander-Pfanne stammt von ihr, was mich ganz besonders gefreut hat. Super lecker, kann ich nur sagen.
Dazu gibt es mindestens genauso leckere Quinoa-Kartoffel-Buletten mit Ananas-Dip von meiner virtuellen Kochmuse Lea.

Ich habe das Rezept leicht abgewandelt aus ihrem tollen Kochbuch „Vegan with Love“ geklaut 😉

Für ca. 8 Quinoa-Bratlinge:

Quinoa in einem Sieb waschen, in der Gemüsebrühe gar köcheln bis die Flüssigkeit komplett weg ist, und immer wieder mal umrühren. Anschließend abkühlen lassen.
Koriander klein hacken und beiseite stellen. Kartoffeln, Zwiebel und Knoblauch schälen und klein schneiden. Nun die Kartoffeln gar kochen. Die gekochten Kartoffeln in eine Schüssel geben, Zwiebeln und Knoblauch zufügen und mit einem Mixstab (*) pürieren. Anschließend den gehackten Koriander, die Gewürze, gekochte Quinoa und die Semmelbrösel mit dem Püree vermischen.
Wenn die Masse zu klebrig sein sollte, noch weitere Semmelbrösel untermischen. Aus der Masse die Buletten formen und in einer Pfanne in heißem Öl von beiden Seiten goldbraun anbraten.

Arbeitszeit: ca. 45 Min. 
Bratzeit: ca. 5-10 Min.


Für den Ananas-Dip (ca. 250g):

  • 150g geschälte Ananas (die ganz Faulen, so wie ich, nehmen welche aus dem Glas)
  • 4 EL Sojajoghurt
  • 2EL Zitronensaft (*)
  • 1EL Süße (*)
  • 1 gehäufter TL Currypulver (*)
Alle Zutaten in ein hohes Gefäß geben und mit einem Mixstab pürieren.

Zubereitungszeit: ca. 5-10 Min.


Für die Kartoffel-Koriander-Pfanne:

  • 1Kg Kartoffeln
  • 1 Zwiebel
  • 3 Zehen Knoblauch
  • 1/2 Bund Koriander
  • 1 TL Salz
  • 1 EL Zitronensaft
  • Öl zum Bratengeben und mit einem Mixstab pürieren.

Kartoffeln schälen, in kleine Würfel schneiden, und vorkochen bis sie noch etwas Biss haben. Die Zwiebel schälen und klein schneiden. Den Knoblauch in einen Mörser geben oder auf einem Brett zerquetschen, das Salz zugeben und zu einer Paste verrühren. Koriander auf die Paste geben, hacken und die Paste in den Koriander einarbeiten. Öl in einer Eisenpfanne erhitzen, Zwiebel anbraten und die Kartoffelwürfel zufügen. Wenn die Kartoffeln durch und goldbraun sind, die Pfanne vom Herd nehmen und die Koriander-Knoblauchpaste unterrühren. Zum Schluss mit Zitronensaft beträufeln.

Arbeitszeit: ca. 20-30 Min.
Bratzeit: ca. 10 Min.

Wenn es schnell gehen soll, dann reicht die Kartoffel-Koriander-Pfanne auch als

Hauptgericht für 2 Personen in der angegebenen Menge

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