Bei der Eröffnung seines ersten Mini-Stores in Hannover am 17.09.2016 habe ich Attila Hildmann getroffen und dabei die Gelegenheit gehabt, mit ihm zu sprechen. Ich war natürlich im Vorfeld sehr gespannt auf seine Pläne und Visionen, die er noch hat, und ich war ganz besonders gespannt darauf zu erfahren, ob er denn wirklich so ist, wie er oft in den Medien dargestellt wird. Wie mag wohl so ein mangelernährter Mensch rüberkommen? Wie schwach wird er nach 16 Jahren veganer Ernährung sein? Wird er überhaupt noch die Kraft haben, sich mit mir unterhalten zu können? Und wie sieht er wirklich aus, dieser Mann, der mit seinem Kochbuch „Vegan for fit“ dem Leben von mir und meiner Frau eine so tolle Wendung gegeben hat? Du kennst die Geschichte noch gar nicht? Dann kannst Du sie hier bei Kristin von eattrainlove.de gerne lesen, ich habe bei ihr einen Gastbeitrag schreiben dürfen.

Wie es sich für einen ordentlichen Feierabend-Reporter wie mich gehört, stand ich selbstverständlich gleich ganz vorn in der Reihe und bin wie ein jubelnder Teenie, der zum ersten Mal bei einem Konzert von Justin Bieber dabei war, laut kreischend auf ihn zugelaufen. Da stand er also: der Mann, der über 1,5 Millionen Kochbücher verkaufte und der meiner Frau dazu verhalf, dass sie heute ihr Rheuma ohne Medikamente im Griff hat: Attila Hildmann! Er konnte sich selbstständig, und ohne von seinen Teammitgliedern gestützt zu werden, auf den eigenen Beinen halten. Er trug keine Lederhose, hatte keinen Gamsbart am nicht vorhandenen Hut aus Schafwolle, und ich suchte vergeblich eine protzige Goldkette oder einen Diamanten in seinen Ohrläppchen. Wenigstens ein Fuchsschwanz an seiner Jogginghose wäre doch wohl das Mindeste gewesen. Nachdem ich mich vorgestellt hatte, ist er sofort mit mir ins Gespräch gekommen und es fühlte sich so an, als würde da einer meiner Kumpel vor mir stehen, mit dem ich sonst in meiner Heimatstadt mal ein Bier trinken gehe. Wo bleibt denn nun die extreme Arroganz, von der ich manches Mal gelesen habe? Nicht mal mehr Ledersitze sind in seinem Porsche drin, kann man sich denn hier auf gar keine Klischees mehr verlassen? Keine Spur von übertriebener Selbstdarstellerei , denn ich kenne mich aus in Sachen Schaumschlägerei und weiß, worüber ich hier rede 😉 . Naja, ich finde ihn schon noch, den wunden Punkt, nach dem man als guter Deutscher gerne mal sucht.
Wir haben dann verabredet, dass wir uns nach der Veranstaltung nochmal in Ruhe zusammensetzen für ein kurzes Interview. Aber jetzt kommt’s! Die Idee kam nicht von mir, die war von ihm…er will sich bestimmt von mir Geld leihen oder findet meine Frau toll, aber nicht mir, Freundchen! Da musst Du schon früher aufstehen.

Nach einer sehr gelungenen Veranstaltung und ca. 500 zufriedenen Gästen später, denen er über 4,5 Stunden immer freundlich und ganz natürlich lächelnd für Autogramme, Widmungen diverser Kochbücher, Selfies und Gesprächen zur Verfügung stand, trafen wir uns dann tatsächlich noch an der Theke und gossen uns zusammen wie echte Cowboys einen Matcha-Tea hinter die Binde. Auch hier keine Spur davon, dass er abgehoben oder gar großkotzig wirkte. Ich habe einen Mann getroffen, der sehr emotional, höflich und freundlich zu seinen Gästen gewesen ist und ich habe einen Mann getroffen, dem ich seine Weiterentwicklung abnehme und für den der Veganismus nicht nur gesundheitlich eine große Rolle spielt, sondern auch der ethische Aspekt voll in seinem Konzept und seinem Handeln verankert ist. Ein Konzept, das eine bessere Welt vorsieht, in dem alle Menschen und Tiere ein Recht auf ein freies und würdiges Leben haben, in dem alle Menschen das Recht auf gesundes und natürliches Essen bekommen und in dem Tiere nicht mehr länger für ein Geschmackserlebnis ausgebeutet werden. Wenn er sich dabei eine goldene Nase verdient, dann soll er mir das recht sein. Von mir aus kann er dann auch jedem aus seinem tollen Team einen Porsche kaufen und von mir aus geht sein Weg weiter in die Richtung, in die er gerade geht: steil nach oben.

Ein Mann, der behinderten Menschen eine Chance gibt und sie für sich arbeiten lässt und nicht auf Massenproduktionen setzt, in denen Menschen arbeiten und dennoch auf staatliche Hilfen angewiesen sind und Tiere unendlich leiden. Ein Mann, der Visionen und Träume hat, Gelder für seine eigens organisierten Projekte sammelt und aus dem Erlös spendet und für den soziale Verantwortung keine leere Worthülse ist. Ein Mann, der Lebensmittel aus besten Zutaten verkauft, dabei äußerst transparent vorgeht und nicht hinter hohen Mauern und verschlossenen Türen produzieren lässt. Und ein Mann, der so ganz anders ist, als ich es vorher dachte: ein ganz normaler Kerl, der täglich für seinen Traum aufsteht, diesen lebt und mit großartigen Projekten füttert. Daran kann nichts falsch sein. Danke für einen tollen Tag und fahr‘ langsam, wir brauchen Menschen wie Dich 😉 !


„DIE WELT ZURÜCKKAUFEN“

„6 Fragen an Attila Hildmann“

1. Beschreibe Dich in 3 Worten

Unbeugsam, direkt, ehrlich

2. Was würdest Du heute anders machen, wenn Du nochmal 21 Jahre alt wärst?

Nichts, ich würde alles ganz genauso machen und mein Ding durchziehen

3. In welchem Restaurant gehst Du am liebsten vegan essen?

Bei Boussi Falafel in Berlin

4. Was hast Du in erster Linie von den Mönchen gelernt, als Du bei ihnen in Asien warst?

Es gibt Frieden auf der Welt, aber man muss dafür kämpfen

5. Wie sieht Deine Morgenroutine aus?

Zuerst trinke ich einen Matcha-Tea und danach meditiere ich

6. Was ist Dein Lieblingsgericht?

Sommerrollen aus „Vegan to go

Foto-Credits: Justyna Krzyżanowska; erschienen beim Becker Joest Volk Verlag