Ich war ein junger, vollkommen unschuldiger und blond gelockter Jüngling, schmal und zart gebaut wie eine Elfe. Im Grunde meines Herzens war ich damals schon ein Grasfresser. Ich sammelte Schnecken von Wegen und Straßen ein und brachte sie in Sicherheit, wenn sie sich in Gefahr befanden. Ich beobachtete Vögel aus dem Fenster meines Kinderzimmers, vor allem den Turmfalken, den mein Vater immer in unseren Garten lockte mit Fleischresten. Fleischreste…? Da müssen wir jetzt nicht näher drauf eingehen…
Wir hatten einen Langhaardackel, den ich sehr geliebt habe, und ich war oft draußen in der freien Natur unterwegs. Ich sammelte Steine und habe das Glitzern und Funkeln mancher Exemplare bewundert. Mein Kumpel nannte mich deswegen gelegentlich „Explorer“, passend dazu hatte ich auch ein Shirt mit diesem Schriftzug drauf. Er versuchte diese Leidenschaft des Sammelns mit mir zu teilen, aber außer ein paar Teerklumpen, die er stolz auf seinem Nachttisch auf einem Taschentuch für die breite Öffentlichkeit zur Schau stellte, waren keine weiteren Exponate zu finden. Er beschloss dann wenig später sein Museum wieder zu schließen, weil sich das Interesse der Allgemeinheit an seinem Projekt stark in Grenzen hielt.

Ich habe draußen mit Pinguin, so nannte ich einen meiner besten Freunde aus Kindheitstagen, Fliegen gefangen und wir genossen die Freiheit in vollen Zügen. Ich möchte aber nicht unerwähnt lassen, dass wir nicht zu der Sorte Kinder gehörten, die damit irgendwelchen Blödsinn gemacht hatten. Die Fliegen haben es gut bei uns gehabt. Sie kamen in ein Einmachglas, das wir mit Gras gefüllt hatten, und wir richteten ihnen eine Wellnesszone mit Bademänteln, Plüschpantoletten und eigenen Liegebereichen und Freiflugparzellen ein, damit sie sich auch mal zurückziehen konnten. Später haben wir sie immer feierlich wieder in die Freiheit entlassen, sie wollten aber meistens freiwillig wieder ins Glas zurück, aber da haben sie die Rechnung ohne uns gemacht.
Nur gelegentlich wurde ich von älteren Damen terrorisiert, die mir ständig durch meine Lockenmähne streichelten und nicht müde wurden mir immer wieder zu sagen, wie niedlich ich doch sei. Gerne zwickten sie mir dabei auch noch mit Daumen und Zeigefinger in die Wange und schüttelten mich dabei durch, dass ich dabei fast ein Schleudertrauma bekam.

Kommen wir zurück zum Anfang meiner Gedanken. Meine Mutter schickte mich gelegentlich zum Metzger
ums Eck, den gab es damals wirklich noch und da war das eigentliche Problem: Fleisch! Ich habe ihr diesen Wunsch natürlich erfüllt, denn ich war jung und brauchte das Geld…
Bei uns gab es wirklich selten Fleisch. Es war ganz normal, dass es am Sonntag einen Braten gab, montags die Reste davon, freitags Fisch und den Rest der Woche viel Gemüse oder Nudeln und Suppen. Ich mochte damals schon viel lieber das Gemüse, die Suppen und die Soße und habe am Fleisch immer rumgemäkelt und jedes noch so kleine Stück Fett großflächig abgeschnitten. Mein Vater hat dann immer meine Fettstückchen gegessen, er hat auch die borstige Fettschicht eines Eisbeins geliebt, allein der Gedanke daran macht mich heute noch ganz fertig.
Du kennst diese Art von Metzgereien sicher auch. Wenn Menschen nur hören, dass ein Veganer in der Nähe ist, dann erzählen sie Dir sofort, dass sie nur ganz wenig Fleisch essen und wenn überhaupt, dann gehen sie zum Metzger ums Eck. Das sind die Betriebe, wo jedes Schweinchen noch einen Namen hat, eine rote Schleife in den Borsten trägt, und fröhlich pfeifend über die weitläufigen Wiesen hinter dem Haus rumtollt. Wenn das Tierchen dann am Höhepunkt seines Lebens angekommen ist und glücklicher nicht mehr sein kann, dann kommt der liebe Onkel Metzger als lustiger Clown verkleidet und streichelt es bei klassischer Musik ruhig, artgerecht und human zu Tode. Das muss ein echtes Schweine-Paradies sein, aber leider durfte ich mir selbst als Kind diese Wiesen hinter dem Geschäft nie ansehen. Komisch eigentlich…

Egal, ich schweife schon wieder ab. Wir waren an der Stelle, als ich zum Metzger unseres Vertrauens musste. Ich holte meinen Einkaufzettel aus meiner Hose und las der Verkäuferin die Wünsche meiner Mutter vor. Neben mir stand ein älterer Herr, er bestellte sich Rinderleber und jetzt kommt’s. Er äußerte den Wunsch, ein Stück Leber gleich über den Tresen gereicht zu bekommen. Diesem Wunsch kam die Verkäuferin auch sofort nach. Er schnappte es sich, biss ein großes Stück ab, und kaute die rohe Leber genüsslich durch. Spätestens in diesem Moment war mir klar, dass ich nie wieder Leber essen und beim nächsten Mal nur noch das Sauerkraut, die Soße und den Kartoffelbrei verspeisen würde. Das zog ich auch durch und ich bin trotzdem groß und stark geworden, oder vielleicht sogar deswegen… 😉 ?

Ich habe jetzt irgendwie Lust auf was Deftiges bekommen. Wie wäre es mit Kartoffelpizza? Oder mit einem garantiert leberfreien Auberginen-Kartoffel-Burger mit Avocado-Mandel-Mayo?

Zutaten für 4 Burger (8 Hälften):

  • 4 gr. Kartoffeln (geschält ca. 600g)
  • Öl (*) zum Braten
  • 4 EL Mehl (glutenfrei)*
  • 2 TL Sesam (*)
  • 1 EL Sonnenblumenkerne (*)
  • 1 Aubergine
  • 1 Zwiebel
  • 1 Tomate
  • 4 Blätter Eisbergsalat

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Die Kartoffeln schälen und in eine Schüssel reiben. Wenn die Kartoffeln sehr nass sind, einen Schaumlöffel oder ein stabiles Sieb auf den Teig drücken und mit einem Löffel einen Teil der sich darauf bildenden Flüssigkeit entfernen. Nun das Mehl, den Sesam und die Sonnenblumenkerne unterrühren und die Masse mit Salz und Pfeffer würzen. Aus der Masse jetzt die Burgerhälften formen. Öl in einer Pfanne erhitzen und die Burgerhälften von beiden Seiten jeweils ca. 5 Minuten goldbraun ausbacken. In der Zwischenzeit die Aubergine in dickere Scheiben schneiden und in einer anderen Pfanne von beiden Seiten braten, salzen und pfeffern. Nun die Burgerhälften mit der Mandel-Avocado-Mayo bestreichen und den restlichen Zutaten belegen.

Kochzeit: ca. 10 Minuten
Arbeitszeit: ca. 30 Minuten

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Zutaten für ca. 300g Mandel-Avocado-Mayonnaise:

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Alle Zutaten, bis auf das Öl, in ein hohes Gefäß geben und mit einem Mixstab pürieren. Nun das Öl in einem dünnen Strahl einlaufen lassen, und dabei den Mixstab weiter laufen lassen, bis die Masse cremig fest wird.

Arbeitszeit: ca. 5 Minuten

Die Grundidee für dieses Gericht ist eine Kombination aus zwei Komponenten. Den Kartoffelburger habe ich bei http://dervegistdasziel.de gefunden und die Mandelmayo gibt es bei http://vegan-und-lecker.de

Schau dort auch mal vorbei! Das sind zwei sehr schöne Blogs mit vielen alltaugstauglichen und leckeren Rezepten.

1/2 – 1 TL Flohsamenschalenpulver (*) unterrühren, dann kann man die Menge Öl reduzieren

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