Als ich vor ca. 1,5 Jahren bei einem Seminar in Hamburg war, da lernten sich alle Teilnehmer gerade kennen und ich betrat als Letzter den Raum.


„Herr Stahl, dann müssen Sie der Veganer sein!“
, tönte die Seminarleiterin lauthals durch den Raum. Plötzlich Totenstille, selbst ein Indianer hätte sich jetzt nicht aus einem sicheren Hinterhalt anschleichen können, er wäre aufgeflogen. Ich konnte es genau in den Augen einiger Teilnehmer sehen.


„Oh Gott, ein Veganer
. Der frisst doch bestimmt auch kleine Kinder, da macht er sicher mal eine Ausnahme, dieser inkonsequente Öko-Nazi…“
Ich musste dann in das Restaurant zu dem Chefkoch und der Restaurantleiterin. Es gab schließlich einiges zu besprechen, erläuterte mir die Seminarleiterin.


„Was dürfen wir denn für Sie in den nächsten Tagen kochen? Wir sind nicht auf Veganer eingestellt.“,
sagte die Restaurantleiterin zu mir. Das fing schon mal gut an, denn immerhin schrieben wir das Jahr 2014 und als der Chefkoch dann noch ganz stolz sagte:
„Nudeln mit Tomatensoße?“
, da wusste ich, dass ich es mit ganz besonders kreativen Exemplaren ihres Berufsstandes zu tun hatte. Ich meinte nur, dass sie sich keine Umstände machen sollten und ich ganz pflegeleicht wäre, ahnte aber schon Böses.

Am nächsten Tag bekam ich dann mein Essen: eine Schale weißen Reis mit rohen Paprikastreifen. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass es rote und grüne Paprikastreifen waren. Ein buntes Feuerwerk gepaart mit einer ordentlichen Portion künstlerischer Freiheit des Schöpfers dieser genialen Kreation. Hinter vorgehaltenen Händen tuschelten die anderen Seminarteilnehmer schon über mein Essen.
„Das kann doch nicht gesund sein, davon bekommt man ganz bestimmt Mangelerscheinungen.“
Da konnte ich auch nichts entgegnen, denn wenn ich mich dort für ein paar Wochen einquartiert hätte, wäre ich mittlerweile sicher an Skorbut oder Rachitis erkrankt. Zum Glück habe ich das Vegan Eagle entdeckt. Es war zwar nicht gerade um die Ecke, aber ich habe mich mit letzter Kraft auf allen Vieren bis in das Restaurant geschleppt. Man hat mich dort umgehend in die stabile Seitenlage gebracht, gefüttert und wieder aufgepäppelt.

Ach, war das schön bei denen. Was die Restaurantleiterin und der Chefkoch meines Hotels hauptberuflich machen, habe ich leider nicht mehr in Erfahrung bringen können. Und ich habe ihnen auch nicht mehr zugetraut, dass sie mich zum Beispiel mit einem Roten Pesto glücklich machen. Dabei ist das so einfach, so schnell gemacht und vor allem soooooo lecker.

Zutaten für ca. 6 Portionen Pesto:

  • 125g getrocknete Tomaten
  • 150ml Olivenöl
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 30g Nüsse
  • 3EL Hefeflocken – geht auch ohne, schmeckt aber besser, wenn welche drin sind – (statt Parmesan)
  • 4EL Tomatenmark
  • 75ml Rotwein (alternative Gemüsebrühe)
  • 20-30 Blätter Basilikum oder ein halbes Bund Bärlauch
  • Salz & Pfeffer
  • Chili

Die Tomaten schön klein schneiden, damit der Pürierstab leichter alles mixen kann, den Knoblauch würfeln, Kräuter waschen und zerkleinern. Alles zusammen in einen hohen Becher geben und das Öl zum Schluss eingießen. Wer keine Hefeflocken im Haus hat, lässt sie einfach weg. Sie erinnern aber im Geschmack sehr an Parmesan und geben dem Pesto daher noch eine leicht käsige Note.

Schmeckt super zu Nudeln, geht aber auch immer als Dip oder als Belag für Brot.

Arbeitszeit: 10 Min.

Das Pesto unter gekochte Nudeln rühren und man hat in kurzer Zeit einen sehr leckeren Nudelsalat, der eine tolle Beilage zum Grillen ist